Nachhalten statt Verscheuern

Wien, das Rote Wien, wird oft als Vergleich herangezogen, wenn die Probleme der großen deutschen Städte beklagt werden. Ein großer Anteil von Sozialwohnungen, erschwingliche Mieten und wenig Eigentumswohngen – für Mieter ein Paradies, wenn all das stimmt, was man über Wien sagt. Dass das nicht unbedingt der Fall ist, schrieb schon vor ein paar Monaten Justin Kadi im Blog Urbanizm, mit einer gehörigen Portion Spott für die deutschen Medien und Verweis auf die Marketingbemühungen der Wiener Stadtverwaltung. Weiterlesen

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Wer profitiert vom Bauboom in Köln?

Mit einem Exposé mit dieser – zugegeben: zugespitzten – Frage als Überschrift habe ich mich bei der Otto-Brenner-Stiftung beworben. Sie finanziert mir nun ein paar Monate, die ich teilweise mit der Recherche zu den Entwicklungen auf dem Kölner Wohnungsmarkt verbringen kann – für einen freien Journalisten ein unfassbarer Luxus. Das Interesse am Thema Wohnungsmarkt ist riesig – das habe ich durch die Resonanz auf mein Vorhaben bereits zu spüren bekommen. Daraus nun greifbare Texte und Beschreibungen werden zu lassen, ist eine tolle Aufgabe für die nächsten Monate. Die Recherche will ich so gestalten, dass sie von außen verfolgt werden kann. Ein Blick auf diese Seite und meine Profile bei Twitter und Facebook lohnen sich für Interessierte deshalb in der kommenden Zeit.

Auch Kleinvieh macht Wörter

Zuletzt von mir erschienen: Warum der Kreisverkehr am Eifelplatz umgebaut wird (Fahrradfahrer: lesen!), warum der Stadtteil Zollstock tatsächlich sehenswert ist (Indianer: lesen!), wie es um die Kölner Spielplätze bestellt ist (Mütter und Väter: lesen!), wie die Kölner Hebammen auf die riesige Nachfrage reagieren (Schwangere ohne Wochenbettbetreuung: lesen!) und welche Bäume als erstes für den nächsten Abschnitt der Nord-Süd-Stadtbahn gefällt wurden (Baumschützer: lesen!).

Abschiebungen in Köln

Neben der Willkommenskultur, die die Stadtgesellschaft mit großem Erfolg etabliert, gehört zum vollständigen Bild vom Umgang mit Flüchtlingen in Köln auch, dass die Stadtverwaltung abschiebt. Zwischen 2010 und 2104 wurden 562 Personen aus Köln abgeschoben, zwischen 71 und 140 Personen pro Jahr. 2015 wurden bis Ende Mai 22 Menschen abgeschoben. Das geht aus der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Ratsfraktion der Piratenpartei hervor. Die Menschen wurden in ihre Heimatländer oder auf Grundlage des Dubliner Übereinkommens, einer so genannten Drittstaatenregelung, in andere EU-Länder abgeschoben.

Das internationale Abkommen soll verhindern, dass Personen mehr als einen Asylantrag in den beteiligten Staaten stellen. Demnach werden Personen in das EU-Land abgeschoben, in das sie zuerst eingereist sind. Für diese Verfahren ist laut Stadtverwaltung das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zuständig. Der Handlungsspielraum der Kommune sei beschränkt.

Die Entscheidung, ob jemand in sein Heimatland abgeschoben wird, fällen die Mitarbeiter der Abteilung für Ausländerangelegenheiten im Amt für Öffentliche Ordnung. Alle Fälle würden einzeln und im “Vier-Augen-Prinzip” geprüft, heißt es in der Mitteilung an den Rat. Erlasse des NRW-Innenministeriums, Richtlinien, Dienstanweisungen, Prüfschemata und eine Datenbank mit Informationen zu den Heimatländern der Antragsteller sollen dabei helfen.

Zwischen Gutmenschenverdacht und Stigmatisierung

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Das ist Meschenich: Blick aus dem 26. Stock auf den Kölnberg, dahinter ist das Dorf gut sichtbar.

Über Meschenich zu berichten ist nicht einfach. Die Menschen im südlichsten Stadtteil Kölns leiden unter der Stigmatisierung „Sozialer Brennpunkt“. Schon von weitem sichtbar sind die 26 Stockwerke hohen Wohnhäuser der Siedlung Kölnberg, in den 1970er Jahren mitten aufs Land gebaut, ein wuchernder Fortsatz eines kleinen Dorfes. Was früher einmal modern wirken sollte, mauserte sich zum Armutsviertel. Gemessen am Konfliktpotenzial, das in Meschenich schlummert, dürfte es hier sogar verhältnismäßig friedlich zugehen, auch wenn ab und an ganze Familien mit Schlag- und Stichwaffen aufeinander losgehen. Schwer zu sagen, wie man richtig über Meschenich berichtet. Unzählige soziale Initiativen sind dort tätig, die nur zu gerne zur Eröffnung oder Ergebnispräsentation ihrer öffentlich oder durch Spenden finanzierten Projekte laden, sich aber kritische Töne verbitten. Und die Gefahr zur Stigmatisierung beizutragen liegt auf der Hand. Wie schafft man es also, so zu berichten, dass man nichts beschönigt, und die so verschiedenen Bewohner in Meschenich trotzdem als Subjekte in einer konstruktiven Berichterstattung auftauchen? Das wird nicht so einfach zu lösen sein und man wird es nicht jedem recht machen können. Hier und hier finden sich zwei Beispiele für Berichte über Meschenich. Weiterlesen

Open Data in Köln

Kölner Lokalpolitik, so zugänglich wie die Menschen hier.

Das ist das Motto, das Webseiten-Programmiere Marian Steinbach für seine Seite www.offeneskoeln.de gewählt hat. Die Idee ist eigentlich simpel: Mit der Suchfunktion, die auf der Seite bereitgestellt wird, kann der Benutzer das sogenannte Ratsinformationssystem der Stadt Köln durchsuchen.Screenshot offeneskoeln.de In diesem System sind sämtliche Sitzungsprotokolle und Antragsunterlagen aus den städtischen Ausschüssen, Ratssitzungen und Bezirksvertretungssitzungen gespeichert – als pdf-Dateien. Die Suche auf den Seiten des Ratsinformationssystems ist einerseits eher langsam und andererseits mangelt es ihr an Tiefgang, da die abgelegten pdf-Dateien selbst nicht durchsucht werden.

Offeneskoeln.de tut dies, und zwar nicht nur rasend schnell, sondern versieht zusätzlich sämtliche in den Dokumenten enthaltenen Straßennamen und Ortsangaben mit Geodaten. Damit lassen sich zum Beispiel sämtliche Vorgänge im Umkreis von 500 Metern um meinen Stand- oder Wohnort auf einer Karte anzeigen. Eine wahnsinnige Erleichterung für alle, die sich einen Überblick über die Ergebnisse lokaler Politik verschaffen wollen, darunter nicht zuletzt alle Journalisten.

Migranten der Lüfte

In Köln leben Halsbandsittiche. Einer stadtbekannten Geschichte zufolge ist eines Tages ein ganzer Schwarm aus dem Kölner Zoo ausgebüchst. Tatsächlich scheinen sie sogar hier im Rheinland zu überwintern. Im Herbst waren sie mehrmals auf der Buche in unserem Innenhof in Nippes zu sehen. Wikipedia hält einen exzellenten Artikel dazu bereit.

Prinz Karneval regiert

„Wenn du durch die Stadt läufst, den Kopf senkst und grübelst, dich kurz verlierst, wieder hochschaust und du siehst am hellichten Tage Clowns, Cowboys, Löwen, die ganze Stadt verkleidet – das ist doch irre.“ (Eine Kölnerin)

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Köln inklusive

Köln verfügt über eine besondere kollektive Identität, ein Gemeinschaftsgefühl, das erstaunlicherweise wesentliche, inklusive Elemente enthält. Von den Römern gegründet und seit je Knotenpunkt für Handel und Reisende gehört das „Von-überall-hergekommen-sein“ zu Köln dazu. Genau wie der FC, ein Erstliga-Fußballverein mit einem lebenden Geißbock als Maskottchen, namens Hennes VII. Lukas Podolski, vor Kurzem heimgekehrter Liebling der leidgeprüften Anhänger, ist Kölner, wohnt in einem der spektakulären Kranhäuser direkt am Rhein, dutzende Meter über der Stadt. Und die große Kölner Boulevardzeitung Express, ebenso wie die Lokalzeitungen Kölnische Rundschau und Kölner Stadtanzeiger herausgegeben vom Verlag M. DuMont Schauberg, schreibt über ihn mühelos:

In seinem Kölner Herzen ist Platz für Deutschland und Polen. Weiterlesen